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Praxisfall
Ausgelaufene Gratisproben in Druckprodukten
Was aufgespendete Plastikbeutel im Heftinneren zum Platzen bringt.
Von Georg Pantel
In Zeitschriften und Prospekten findet der Leser immer häufiger Gratisproben, die zum Kauf dieser Produkte führen sollen. Meistens handelt es sich um aufgespendete Plastikbeutel, in denen flüssige oder cremige Substanzen enthalten sind. Woran liegt es, wenn der Beutel noch vor Eintreffen beim Kunden aufplatzt und der austretende Inhalt nicht nur die Probe, sondern auch das Druck-produkt unbrauchbar macht?
Im Praxisbeispiel der fogra handelte es sich um Wellness-Prospekte mit einem Umfang von 72 Seiten, auf deren Umschlaginnenseite Probebeutel einer Hautrcreme aufgespendet worden waren. Zum Transport lagen in den Kartons jeweils 35 Prospekte, die zum Druckausgleich fünferweise verschränkt wurden. Jeweils zehn Kartons waren aufeinander gestapelt.
Als der Kunde die Drucksachen bei Anlieferung überprüfte, musste er feststellen, dass etliche Exemplare auf der Außen- und Innenseite des Umschlags Fettflecke aufwiesen. Der Inhalt der Beutel war ausgelaufen und wurde teilweise auch im Bereich des Fußbeschnittes ausgequetscht. Schließlich wurde die fogra beauftragt herauszufinden, ob der Schaden durch ungünstige Stapel- beziehungsweise Transportbedingungen verursacht worden war oder ob es sich um fehlerhafte Probebeutel handelte.
Untersuchungen
Zum Öffnen der Beutel waren an der oberen und unteren Kante Sollbruchstellen in Form von Schlitzen vorhanden. Bei den vorgelegten Prospekten mit Fettflecken fiel auf, dass der Inhalt ausschließlich am unteren Schlitz der Beutel austrat. Messungen ergaben für den oberen Schlitz eine Länge von einem Millimeter. Der
untere Schlitz war dagegen zwei Millimeter lang. Die Gefahr des Aufplatzens war somit an der unte-ren Kante grundsätzlich größer.
Zur Überprüfung der Druckempfindlichkeit der Beutel entnahm die fogra aus den Prospekten einige Proben, die noch nicht aufgeplatzt waren. Als Vergleich dienten ähnliche Gratisproben, die aus anderen Druckprodukten stammten. Mit dem Blocktestgerät erfolgten unter definierten Bedingungen wie Anpresskraft, Anpressdauer und Prüfklima vergleichende Untersuchungen.
Bei den beanstandeten Proben trat dabei schon nach kurzer Belastungsdauer an der unteren Sollbruchstelle der cremige Inhalt aus. Dagegen platzte selbst unter hohen Belastungen keiner der Vergleichsbeutel auf.
Fazit
Die Untersuchungen haben gezeigt, dass die Gratisproben aus den beanstandeten Prospekten stets an der unteren Sollbruchstelle aufplatzten, was in erster Linie am zu langen Schlitz lag, der an dieser Stelle die Versiegelungszone des Beutels schmälerte. Bei den Laboruntersuchungen auf Druckempfindlichkeit waren alle
beanstandeten Beutel aufgeplatzt. Vergleichsbeutel platzten selbst bei extremen Testbedingungen nicht.
Das Aufplatzen der Plastikbeutel wurde demnach nicht aufgrund eines falsches Stapelns der Drucksachen oder eines ungünstigen Transportes verursacht. Der Grund lag vielmehr in der unzureichenden Qualität der Beutel selbst. Des Weiteren könnte es sein, dass neben dem zu langen Einreißschlitz auch eine zu große Füllmenge den Fehler mitverursacht hat. Was jedoch in diesem Fall nicht näher untersucht werden konnte.
Ursachen & Abhilfen
- Ungünstige Stapel- und Transportbedingungen können Gratisproben selbstverständlich beschädigen.
- Ein Mangel am Probebeutel selbst, etwa zu empfindliche Sollbruchstellen in der Versiegelungszone, führen ebenfalls zum Aufplatzen.
- Auch zu große Füllmengen können zu einer starken Druckempfindlichkeit führen, die die Flüssigkeit schließlich auslaufen lässt.
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