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Mehr als ein simpler Zahlenvergleich
Von Thomas Klose,
GC Graphic Consult
Auf die Frage, was ihn bewogen hat, an einem Benchmarking mitzumachen, antwortete ein Unternehmer: „In globalisierenden Märkten muss man sich als mittelständisches Unternehmen erst recht dem Wettbewerb stellen. Der Benchmark gibt uns deshalb wertvolle Informationen, wo wir im Markt leistungsmäßig stehen oder wie viel unsere Leistungen wert sind. Im Sport spricht man von einem Trainingswettkampf.“Die grafische Industrie ist seit längerer Zeit großen Veränderungen unterworfen:
- Ständig sinkende Preise und Überkapazitäten
- Veränderte Anforderungen an einen Mediendienstleister
- Ständig steigender Wettbewerbsdruck
Kontinuierliche Verbesserung
Besonders in Zeiten des Umbruchs ist die ständige Suche nach Verbesserungspotenzial – vor allem auch im Vertrieb – unerlässlich. Die Suche richtet sich sowohl nach innen, mit Blick auf die Optimierung aller Unternehmensbereiche, als auch nach außen, auf die Fähigkeiten des Wettbewerbs.
Aufgrund der Komplexität existiert eine nahezu unüberschaubare Zahl an Erfolgsfaktoren – kein Unternehmen ist nach unseren Erfahrungen in allen Bereichen „top“. Der Einsatz von Benchmarking bietet daher eine attraktive Möglichkeit, den eigenen Standort zu bestimmen, Verbesserungspotenziale zu ermitteln und über Best-Practice-Methoden neue Ansätze zu entwickeln.
Der Schwerpunkt des Benchmarking liegt dabei darin, diejenigen „Best Practices“ gezielt zu identifizieren, mit denen überdurchschnittliche Wettbewerbsvorteile nachhaltig geschaffen werden können. Benchmarking wird daher maßgeblich von der Frage bestimmt: „Was machen andere besser, und was können wir daraus lernen?“
Verborgene Potenziale erkennen
Wird der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus gerichtet, lässt sich oft ungeahntes Verbesserungspotenzial freilegen und ermöglicht so wahre Quantensprünge. So erweist sich gutes Benchmarking als ein hervorragendes Instrument zur Leistungssteigerung für die beteiligten Unternehmen.
Zitat eines Teilnehmers an einem Benchmarking-Projekt: „Auch wenn wir vielleicht nicht in jeder Beziehung vergleichbar mit den anderen Betrieben in der Benchmarking Gruppe sind, ziehen wir doch immer wieder zahlreiche Ansätze für interne Projekte aus den Ergebnissen. Zudem können wir unsere eigene Entwicklung mit der Entwicklung der anderen vergleichen. Wer sagt uns denn, wenn wir Fortschritte gemacht haben, dass die anderen nicht viel größere Fortschritte gemacht haben?“
Ziel des Benchmarking ist:
- zu vergleichen, um zu sehen
- zu analysieren, um zu erkennen und
- zu lernen, um zu verbessern
Benchmarking unterstützt die zielorientierte Suche nach neuen Ideen für Methoden, Verfahren und Prozesse außerhalb der eigenen Unternehmens- beziehungsweise Organisationswelt. Es ist ein systematischer und fortlaufender Mess- und Vergleichsprozess mit dem Ziel, ein Unternehmen zu Spitzenleistungen zu führen. Maßnahmen zur Verbesserung der eigenen Unternehmensprozesse zu entwickeln ist eine Führungsaufgabe.
Eine Frage der Interpretation
Unsere Erfahrung mit Benchmark-projekten hat gezeigt, dass ein einfacher Kennzahlenvergleich allein nicht zu Verbesserungen führt. Kennzahlen sind zwar die Basis für das Benchmarking, aber nicht selbsterklärend; sie bedürfen der Interpretation. Durch Benchmarking werden aus Kennzahlenvergleichen konkrete Hinweise für betriebliche Verbesserungen abgeleitet.
Dabei bestimmen beim Benchmarking grundsätzlich folgende Faktoren die Qualität der Ergebnisse:
- Ein sinnvoll und präzise abgegrenztes Betrachtungsfeld, um die Vergleichbarkeit der erhobenen Daten zu gewährleisten.
- Die Untersuchung valider Outputgrößen, die sich mit vertretbarem Aufwand erheben lassen und eine zuverlässige Positionierung von Produktivität und Kosten der untersuchten Prozesse zulassen.
- Die Untersuchung relevanter Einflussfaktoren, welche auf den Prozess wirken, um Hypothesen bilden zu können, warum die Guten so gut sind.
Orientieren an den Besten heißt „Schießen auf ein sich bewegendes Ziel“. Um den ständigen Vergleichswert der Besten als Ziel vor Augen zu haben, ist ein kontinuierliches Benchmarking erforderlich.
Eine Möglichkeit, Benchmarking rationell und effizient zu betreiben, kann eine gemeinsame Softwareplattform sein. Die Teilnehmer definieren die auszuwertenden Kennzahlen gemeinsam, die dann, zum Beispiel zweimal jährlich, in das Benchmarking einfließen sollen. Jeder Teilnehmer am Projekt gibt seine geschützten Daten selbst auf einer neutralen und gesicherten Online-Plattform ein.
Geheimniskrämerei überflüssig
Nach Prüfung der Daten wird für jeden Teilnehmer ein individueller Bericht erstellt. In diesem finden die Teilnehmer ihre eigenen Ergebnisse mit dem Teilnehmerfeld verglichen. Jeder Teilnehmer kann außerdem in der Software selbstständig eine umfangreiche Analyse durchführen.
Das Besondere an dieser Form von Benchmarking ist darüber hinaus die individuelle Zusammenfassung des eigenen Abschneidens und der eigenen Entwicklung. Hier können Verbesserungspotenziale aufgezeigt und Vorschläge zur Optimierung unterbreitet werden.
Erfolgreiche Unternehmen scheuen sich häufig, ihre Erfolgsmodelle publik zu machen; dahinter steht die Angst, Wettbewerbsvorteile zu verlieren. Diese Sorge ist allerdings aus unserer Erfahrung unbegründet, weil kein Unternehmen in jedem Bereich das Beste ist und bereits erfolgreiche Betriebe eine Optimierung meist schneller umsetzen als andere.
Hilfreiche Communities
Ein weiterer Ansatz ist, eine auf gegenseitigem Vertrauen basierende, kontinuierlich voneinander lernende Benchmarking-Community aufzubauen. Der persönliche Erfahrungsaustausch ist von großem Nutzen. Die gesamte Teilnehmergruppe trifft sich regelmäßig an einem neutralen Ort oder auch in einem der teilnehmenden Unternehmen. Bei diesen Meetings werden dann die Ergebnisse des jeweiligen Benchmarking-Durchgangs vorgestellt, und nebenbei können die Teilnehmer ihr Netzwerk pflegen.
Entscheidend ist letztlich, dass die gewonnenen Erkenntnisse aktiv umgesetzt werden. Dabei ist es meist von Vorteil, schrittweise vorzugehen, also zunächst mit einem Veränderungsprojekt zu starten und die weiteren Aufgaben Step by Step abzuarbeiten.
Wir begleiten seit einigen Jahren erfolgreiche Benchmarking-Projekte. Hier lassen zum Beispiel ganz aktuelle Auswertungen im Faltschachtelbereich erkennen, dass sich die Teilnehmer im Schnitt deutlich verbessert haben.
Thomas Klose
Management Consultant, GC Graphic Consult, Unterschleißheim / München
Beratungsschwerpunkte:Strategie, Finanzen und Controlling, Organisation, Prozess- und Workflowoptimierung, Sanierung, Management auf Zeit
Internet: www.GC-online.de


